Vogelfreunde Bürstadt 1933 e.V.
  Vogelfreunde Bürstadt 1933 e.V.
  Vogelfreunde Bürstadt 1933 e.V.

Traditionelle Waldbegehung am frühen Sonntagmorgen

Ein Spaziergang mit Lerneffekt

BÜRSTADT - Die Waldbegehung der Bürstädter Vogelfreunde 1933 e.V., die an einem der Maisonntage stattfindet, ist inzwischen zu einer jahrzehntelangen Tradition geworden. Am frühen Sonntagmorgen – es war kurz nach 8 Uhr – trafen sich die knapp 40 Teilnehmer auf dem Wasserwerkstraßeparkplatz.

Reiner Wilhelm, der Vorsitzende der Vogelfreunde begrüßte die Naturfreunde, darunter auch den Bundestagsabgeordneten Dr. Michael Meister. Er ist – sofern es seine Zeit zulässt – immer gern dabei und konnte diesmal den schönen Sonntagvormittag mit einem Spaziergang in die Natur verbinden. Alt-Bürgermeister Alfons Haag hatte seine Jogging-Tour schon hinter sich gebracht und war ebenso im Teilnehmerkreis der Waldbegehung wie Heimatfilmer Alois Klüber und Magistratsmitglied Werner Klag, der die Bürgermeisterin vertrat.

Besonders freute sich Wilhelm, dass auch Armin Stoll, der zuständige Revierförster wieder mit dabei war und fachkundig informierte. So klärte er zunächst einmal darüber auf, dass die Winterlinde der Baum des Jahres sei und der Distelfink der Vogel des Jahres ist. Der Weg der Spaziergänger führte an der Grillhütte vorbei in Richtung Vogelschutzgebiet. Dabei wurde immer wieder Halt gemacht, um den Erklärungen von Heinz Eisenhauer zuzuhören. Der Waldvogelobmann des Vereins führte die Wandergruppe an. Stoll informierte auf dem Marsch über die Absterbe-Prozesse der Bäume und rechtfertigte die von vielen gerügten Baumfällarbeiten der Vormonate. Durch den Befall mit einem Schlauchpilz waren relativ viele Bäume betroffen, die dann noch von dem Borkenkäfer heimgesucht wurden. Etwa 200 Hektar Wald mussten daher behandelt werden, so Stoll. „Das Baumfällen war eine reine Notmaßnahme“, meinte der Revierförster. Die Gründe der Baumerkrankungen seien zudem vielfältig und gingen von der Grundwasserabsenkung über die hohen Temperaturen des letzten Sommers bis hin zu der allgemeinen Klimaveränderung.

An der Vogeltränke angekommen hielt Eisenhauer einen beachtlichen Rückblick auf die letzten Monate. Der Waldvogelobmann wusste von immerhin 40 Vogelarten zu berichten, die im Vogelschutzgebiet zu finden seien. Das hängt damit zusammen, dass die Vogelfreunde alljährlich von Mitte November bis in den März Winterfütterungen vornehmen, wenn es sein muss auch zweimal die Woche. Bedauerlicherweise beträgt der alljährliche Rückgang der Singvögel weltweit etwa ein Prozent. Selbst in Kanada mit seinen großen Naturschutzgebieten sei der Bestand der Singvögel in den letzten 25 Jahren um ein Drittel reduziert worden, so Eisenhauer. Im südlichen Teil Europas, wie in Frankreich, Spanien und Italien würden alljährlich über eine Million Singvögel gefangen, obwohl es seit Jahren verboten ist und bestraft werde. In Ägypten – wo es nicht verboten ist – seien über 700 Kilometer Fangnetze aufgestellt, konnte Reiner Wilhelm bedauernd ergänzen.

Dann konnte Heinz Eisenhauer noch eine Überraschung präsentieren: „Anfang Februar hatten wir zum ersten Mal Waschbären an unseren zwei Futterstellen“, sagte er. „Sie haben die Fetttafeln abgehängt und sogar den Futterautomaten abbekommen.“ Wildschweine hätten dann die Fetttafeln leergefressen und zum Großteil beschädigt.

In seinen Schlussworten an der Vogeltränke bedauerte Vorsitzender Wilhelm, dass 70 Prozent der Vögel bedroht seien und forderte die Teilnehmer dazu auf, schon im kleinen privaten Bereich – so im eigenen Garten daheim – für Abhilfe zu sorgen. Unklar blieb ihm, warum ein Großteil der von seinen Vogelfreunden aufgestellten Nistkästen im abgelaufenen Brutzeitraum nicht besetzt worden war. Wilhelm dankte Eisenhauer und den anderen aktiven Naturschützern seines Vereines. Sein Dank ging aber auch an die Stadt Bürstadt, die den Club unterstützt und vor allem an Revierförster Stoll, mit dem die Zusammenarbeit hervorragend klappe. Ein kleiner Imbiss in der Grillhütte, zu dem die Vogelfreunde abschließend einluden, rundete eine informative Waldbegehung ab.

Quelle: Bürstädter Zeitung, Dienstag, 24.05.2016 (Frank Gumbel)

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